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Wo ist der rote Faden? – eine Erfolgsgeschichte

Ich freue mich wirklich total, dass Finn (Name geändert) es zum guten Schluss doch noch geschafft hat. Trotz des heftigen Rückschlags nach nur eineinhalb Wochen im ersten Vollzeitjob. In fünf oder sechs Jahren wird er mich bestimmt überholt haben in Bezug auf Gehalt und Jobaussichten.

Diese Zeilen erzählen die wahre Geschichte von Finn, der mit seinem geisteswissenschaftlichen Studium nicht viel anzufangen wusste, seine Skills und Stärken nicht kannte und eigentlich mitten in der Corona-Pandemie in der Tourismusbranche durchstarten wollte. Ein unmögliches Unterfangen, wie ihm schnell klar wurde.

Corona, Krise, Verzweiflung

Ich nippe zufrieden an meinem Kaffee, während ich diese Zeilen schreibe. Warum schreibe ich sie? Um dir da draußen Mut zu machen. Dir, der du glaubst, ein hoffnungsloser Fall auf dem Arbeitsmarkt zu sein.

Denn ich habe gute Nachrichten: Auch du wirst deinen Deckel finden. Genau wie Finn. Auch du wirst feststellen, dass du mehr kannst, als dir momentan vielleicht bewusst ist. Genau wie Finn. Auch du wirst (vermeintlich) keinen roten Faden im Lebenslauf haben. Genau wie Finn. Aber weißt du was? Genau das macht dich interessant!

Finn hat sein Studium der Japanologie und Linguistik im Frühjahr 2021 mit Bestnote abgeschlossen und hatte eigentlich allen Grund, optimistisch in die Zukunft zu blicken. Doch was fängt man mit dieser Fächerkombi an?

Japanologie hat Finn studiert, weil er das Land Japan und seine Kultur liebt. Seinen Plan, in der japanbezogenen Touristik zu arbeiten oder sogar nach Japan auszuwandern, konnte er jedoch mitten in der Corona-Pandemie nicht umsetzen. Berufe mit Bezug zur Linguistik wiederum fielen Finn überhaupt keine ein. Orientierungs- und Hilflosigkeit breiteten sich aus. Finn wendete sich an mich und erzählte mir, dass es für ihn einfach keine passenden Stellenausschreibungen gäbe.

Der lange Weg zum ersten Job

Um aus der Sinneskrise herauszukommen, braucht Finn dringend ein Erfolgserlebnis. Leichter gesagt als getan. Doch ich gab mein Bestes, um ihn zu unterstützen. Klar war aber auch, dass ich ihm die Arbeit, einen Job zu bekommen, nicht abnehmen kann.

Die Vorbereitung: Skills und Jobperspektiven

Bevor Finn seine erste Bewerbung abschicken konnte, gab es noch einiges zu tun:

  • Die eigenen Stärken und Fähigkeiten herausfinden und einordnen
  • Sich über die Skills bewusst werden, die in einem geisteswissenschaftlichen Studium erlernt und ausgebaut werden
  • Berufliche Perspektiven kennenlernen, die zu den eigenen Skills passen

Bei der Evaluierung fanden wir zusammen heraus, dass Finn vor allem stark im logischen Denken, im Analysieren, im Fehlerfinden und im Auswerten von großen Datenmengen ist. Zusätzlich „attestierte“ ihm sein Studium der Japanologie und Linguistik ausgeprägte Fähigkeiten in den Bereichen kritisches Denken, methodisches Arbeiten und eigenständige Wissensaneignung. 

Durch dieses Set aus Soft-Skills zusammen mit fortgeschrittenen Kenntnissen in Microsoft Office und der Programmiersprache R, die er im Rahmen seiner Hausarbeiten und der Bachelorarbeit erworben hatte, ergaben sich doch einige berufliche Perspektiven, die Finn so nicht auf dem Schirm hatte.


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So konnte Finn sich auch mit der Idee anfreunden, erstmal in Deutschland zu bleiben und sich in Richtung Front-End-Programmierung zu entwickeln. Dazu beschäftigte er sich intensiv mit dem Thema und eignete sich selbstständig Kenntnisse in HTML, CSS und JavaScript an. Hierfür nutzte er Video-Tutorials, Webseiten und die Hilfe von befreundeten Entwicklern.

Der Bewerbungsprozess: Was kannst du und kann das jemand bezeugen?

Nach etwa vier Wochen intensiven Trainings wusste Finn, dass ihm das Programmieren Spaß macht, und er wollte sich bewerben. Die Herausforderung war jedoch, dass er absolut keine relevante Berufserfahrung in der Programmierung vorweisen konnte. Und leider geben die wenigsten Unternehmen Bewerber:innen eine Chance, die zwar die benötigten Skills haben, aber niemanden, der diese bezeugen kann. Sprich: Ohne Berufserfahrung keine Berufserfahrung. Ganz schön paradox. Das merkte auch Finn schnell.

Okay, eine Ausbildung zum Anwendungsentwickler wäre möglich, aber wofür hat man denn dann studiert? Und dann gibt es auch noch Trainee-Stellen, die sich eigentlich an Absolvent:innen richten, die nach ihrem Studium praktisch ausgebildet werden möchten. Das Problem hierbei: Es bewerben sich scheinbar auch auf diese Stellen einige, die bereits Berufserfahrung mitbringen und dadurch die Mitbewerbenden jeglicher Chance berauben. Denn Berufserfahrung ist für viele Unternehmen bzw. HR-Personen scheinbar mehr wert als Persönlichkeit, Begeisterungsfähigkeit und Motivation. Hat man also nicht während des Studiums bereits relevante Praktika oder Nebenjobs gehabt, wird‘s schwer.

Doch Finn hatte Glück. Trotz duzender perfekter Bewerbungen (wirklich perfekt) bekam er endlich dann doch eine Einladung zum Bewerbungsgespräch für eine Trainee-Stelle. Die Firma suchte vor allem nach Quereinsteigenden, die nicht aus der IT kommen, und stellte Finn schließlich auch ein. Plan war es, dass er zusammen mit weiteren Trainees zwei Monate lang von dem Unternehmen in Programmierung ausgebildet werden sollte, um mit diesem Grundwissen dann als Trainee in einer IT-Firma unterzukommen. Doch es kam ganz anders. Bereits nach weniger als zwei Wochen flog Finn unverschuldet wieder raus. Krise und Verzweiflung Teil 2 begannen.

Der kurze Weg zum zweiten Job

Glücklicherweise schaffte Finn es, sich von diesem herben Rückschlag nicht unterkriegen zu lassen. Im Gegenteil, seine Motivation und sein Ehrgeiz waren höher als je zuvor. Doch diese zweite Bewerbungsrunde lief völlig unerwartet ganz anders ab als die erste. Vermutlich einzig und allein deshalb, weil Finn bereits einmal von einem Unternehmen eingestellt worden war und er somit eine IT-Stelle in seinem Lebenslauf aufführen konnte, hagelte es Einladungen zu Bewerbungsgesprächen. Seine Einladungsquote lag bei unglaublichen 87,5 %: Sieben von acht Unternehmen luden ihn zum Gespräch ein.

Der Grund übrigens, warum Finn von seinem vorigen Arbeitgeber gekündigt worden war, ist genauso unschön wie unvorhersehbar. Leider fiel die Trainerin der kleinen Firma aus gesundheitlichen Gründen für eine längere Zeit aus, sodass das Trainee-Programm nicht sinnvoll fortgesetzt werden konnte. Ob die Kündigung aller Trainees die einzige Option für das Unternehmen war, können weder Finn noch ich beurteilen, aber wie wir anhand dieser Erfolgsgeschichte sehen können, hat der Rückschlag Finn nur stärker gemacht.

Von den sieben Stellen, zu denen er eingeladen wurde, konnte Finn sich die beste aussuchen. Auch wenn eine solche Entscheidung auf ihre Weise schwer ist, ist das Gefühl unbezahlbar, so „begehrt“ auf dem Arbeitsmarkt zu sein. Finn verdient in der Trainee-Stelle, die er angenommen hat, übrigens auch erheblich mehr als vorher, eine echte Erfolgsgeschichte also.

Wo ist denn nun der rote Faden?

Den berühmten roten Faden gibt es, zumindest auf den ersten Blick, natürlich nicht in Finns Lebenslauf. Das ist auch gar nicht nötig. Wenn Finn – und davon gehe ich fest aus – sein Traineeship in 12 Monaten erfolgreich abgeschlossen haben wird, werden ihm viele Türen offen stehen. Gerade weil sein Studium der Japanologie und Linguistik nichts mit Softwareentwicklung zu tun hat, kann Finn – anders als studierte Informatiker:innen – besser verschiedene Perspektiven einnehmen, Dinge kritisch hinterfragen und zusätzliche Aspekte mit einbeziehen, an die andere vielleicht nicht sofort denken würden.

Fazit: das Erfolgsrezept

Wie hat Finn es denn nun eigentlich geschafft, als Quereinsteiger erfolgreich in einen völlig fachfremden Bereich einzusteigen?

Ich fasse sein Erfolgsrezept hier nochmal zusammen:

  • Interessengebiet herausfinden und erproben, ob es wirklich Spaß macht.
  • Sich so in das Thema einarbeiten, dass man sich eine solide Wissensbasis schafft.
  • Stellenausschreibungen mit sehr niedriger Schwelle raussuchen, um einen ersten Einstieg zu finden (Ausbildung, Traineeship, Praktikum, Nebenjob, Werkstudentenjob).
  • Sehr ansprechende und neugierig-machende Bewerbungen schreiben, die eine hohe Motivation, Lernbereitschaft und Leidenschaft für das Thema rüberbringen.
  • Bei der ersten Stelle hinsichtlich der Konditionen nicht zu viel fordern und ggf. mal ein oder zwei Jahre lang die Zähne zusammenbeißen.

Sobald du fest in einem Job bist, wird das Bewerben auf vergleichbare Stellen zukünftig unendlich viel besser klappen, wenn du dich in deinen Bewerbungen ansprechend und überzeugend präsentierst. Ohne Berufserfahrung keine Berufserfahrung, aber mit Berufserfahrung gibt’s easy weitere Berufserfahrung.

Ich jedenfalls bin begeistert von Finns wegweisender persönlicher und beruflicher Entwicklung und dieser Erfolgsgeschichte und wünsche ihm für die Zukunft alles Gute!

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