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Wie ein Life-EQ dir hilft, den richtigen Job zu finden

Es ist keine allzu große Herausforderung, irgendeinen Job zu finden. Den richtigen Job zu finden hingegen schon. Das Problem: Viele stehen sich dabei selbst im Weg, weil sie nicht genau wissen,  was sie eigentlich wollen. Beispiel: Du studierst BWL (no hate!) und möchtest später mal „groß Karriere machen“, wie es so schön heißt: Führungsposition, dickes Gehalt, Firmenwagen und so weiter. 

Was du aber nicht bedacht hast: Eigentlich möchtest du auch mit deinem/r Partner:in eine Familie gründen und ein oder zwei Kinder plus ein schönes Haus haben. Besonders wichtig ist dir dabei, möglichst viel Zeit mit deinen Kindern zu verbringen und Zeit und Hingabe in deine Beziehung zu stecken. Da ist vielleicht ein Job, bei dem du 60 Stunden die Woche arbeiten musst, um die Karriereleiter hochzusteigen, eher suboptimal, oder?

Hier kommt der Life-EQ ins Spiel. Er hilft dir, die richtigen Entscheidungen bei der Jobsuche zu treffen und nicht eines Tages vor einer kaputten Ehe zu stehen, obwohl du es hättest besser wissen können.

Was ist ein Life-EQ?

Der EQ ist, ergänzend zum IQ, der Quotient der emotionalen Intelligenz. Sehr spannendes Thema, aber gemeint ist hier etwas anderes.

Im Kontext des Life-EQs steht EQ ganz klassisch für Equalizer, also für diese Drehregler, mit denen du zum Beispiel an großen Musikanlagen die Bässe, Mitten und Höhen regulieren kannst.

iTunes-EQ
Der iTunes Equalizer (EQ)

Natürlich sollst du hier keine Bässe aufdrehen, sondern den Life-EQ dafür nutzen, dein Leben nach deinem Geschmack zu gestalten. Ich zeige dir, wie das geht.

Wie funktioniert ein Life-EQ?

Am einfachsten ist es, wenn ich dir direkt zu Beginn einen beispielhaften Life-EQ zeige:

Life-EQ_01
Beispiel eines Life-EQ. Für diese Person ist die Zeit mit der Familie besonders wichtig.

Wie du siehst, hat die fiktive Person, die diesen Life-EQ erstellt hat, verschiedene Aspekte ihres Lebens nach persönlicher Wichtigkeit bewertet. Dieses Beispiel ist allerdings unvollständig, dein persönlicher Life-EQ kann und sollte noch deutlich mehr Punkte beinhalten. Mehr dazu folgt später.

Anhand der Gewichtung kannst du schon sehen, dass für diese Person die Familie an oberster Stelle steht. Um tatsächlich auch viel Zeit mit der Familie verbringen zu können, ist eine ausgewogene Work-Life-Balance ebenfalls wichtig. Mit 90 % hat die Person sie am zweithöchsten bewertet. Die Inhalte der Tätigkeit jedoch sind in diesem Life-EQ sehr gering bewertet. Unserer Person ist es also relativ egal, was sie arbeitet, solange sie sich genug Ausgleich bei und mit der Familie holen kann.

Wir können hier spekulieren, dass beispielsweise ein Aspekt wie „Gehalt“ eine maximal mittlere Gewichtung einnehmen dürfte. Zwar soll natürlich Geld da sein, um mit der Familie ein schönes Leben zu haben, richtig viel Geld zu verdienen und gleichzeitig möglichst keine Überstunden machen zu müssen dürfte aber doch eher schwierig werden.

Im mittleren Bereich finden sich „Werte“, „Sicherheit“ und „kurzer Weg zur Arbeit“. Unsere Person würde also vermutlich ein Jobangebot mit einer 35-Stunden-Woche in Bonn (sehr gute Work-Life-Balance, dafür 45 Minuten Weg zur Arbeit) einem anderen Angebot vorziehen, bei dem die Arbeitsstätte in Köln und 15 Minuten zu Fuß entfernt ist, dafür aber 45-50 Stunden wöchentlich gearbeitet werden muss. 

Welche Aspekte gehören in einen Life-EQ?

Theoretisch müsste es ja einen allgemeingültigen Life-EQ geben, den jeder Mensch nutzen könnte. Im Prinzip stimmt das, jedoch wäre die Liste der einzelnen Lebensbereiche dann sehr lang. Ein Mensch ohne Haustiere benötigt nicht zwingend den Punkt „Bürohund erlaubt“. Genauso wenig profitiert ein passionierter Dachdecker davon, in seinem Equalizer den Aspekt „guter Kaffee im Büro“ aufzunehmen. Und diejenige Person, die unbedingt ins Home Office und am liebsten mit niemandem sprechen möchte, wird bei „Kundenkontakt“ sehr wahrscheinlich keine 100 % angeben.

Dennoch solltest du nicht alles weglassen, was dir unwichtig ist. Denn sonst hast du am Ende einen Life-EQ, bei dem alle Aspekte eine hohe Gewichtung haben. Das bringt natürlich auch nichts.

Mit dieser Liste hast du eine solide Grundlage für deinen Life-EQ, den du gerne noch um weitere Aspekte ergänzen kannst, die ganz spezifisch für dich wichtig sind:

  • Gehalt: Wie wichtig ist dir ein hohes Gehalt?
  • Aufstiegschancen: Wie sehr willst du in der Firma aufsteigen?
  • Herausforderung: Willst du Challenge statt ruhige Kugel?
  • Abwechslung: Willst du immer wieder etwas Neues lernen?
  • Autonomie: Wie wichtig ist für dich eigenverantwortliches Arbeiten?
  • Raum für Persönlichkeit: Willst du so sein wie du bist oder kannst du dich auch ganz gut verstellen?
  • Persönliche Entfaltung: Bist du kreativ und willst dich entfalten können?
  • Team: Arbeitest du lieber im Team als alleine?
  • Inhalte der Arbeit: Lieber auch Spaß bei der Arbeit oder reicht dir Spaß nach der Arbeit?
  • Persönliche Interessen: Soll deine Arbeit deine persönlichen Interessen widerspiegeln?
  • Identifikation: Möchtest du stolz darauf sein, für dein Unternehmen zu arbeiten?
  • Werte: Hast du unumstößliche (z. B. moralische) Werte, mit denen du auch nicht für Geld brechen würdest?
  • Zielgruppen: Möchtest du deine Arbeit gerne für die von dir favorisierten Zielgruppen machen?
  • Sicherheit: Ist es dir wichtig, Stabilität im Job zu haben und vielleicht sogar unkündbar zu sein?
  • Arbeitsklima: Möchtest du dich wohl fühlen oder ziehst du einfach dein Ding durch?
  • Wohlergehen: Erwartest du einen guten Kaffee-Vollautomaten oder frisches Obst im Büro?
  • Weitere Vorteile: Sind dir Dinge wie vermögenswirksame Leistungen oder eine kostenfreie Kantine wichtig?
  • Work-Life-Balance: Wie wichtig ist dir Freizeitausgleich?
  • Flexible Arbeitszeiten: Willst du auch mal ausschlafen, mal früher gehen oder vor der Arbeit noch etwas erledigen?
  • Bürohund: Willst (oder musst) du deinen Hund manchmal oder immer mit ins Büro nehmen?
  • Zeit für Familie: Hast du eine (große oder kleine) Familie und möchtest ausreichend Zeit mit ihr verbringen?

Erstelle dir einen Graphen und schreibe alle diese Aspekte unten auf die X-Achse. Die Y-Achse soll die Werte 0 bis 100 % abdecken. Zum leichteren Ausfüllen kannst du Striche für die 10er-Schritte einzeichnen. Alternativ kannst du natürlich auch eine Tabelle erstellen und daraus dann ein Balkendiagramm erzeugen.

Wie wende ich den Life-EQ bei der Jobsuche an?

Bevor du mit der Jobsuche anfängst, solltest du deinen persönlichen Life-EQ zunächst vollständig ausfüllen. Lasse keine Aspekte weg, die dir unwichtig oder selbstverständlich erscheinen. Der Life-EQ funktioniert nur, wenn du alle entscheidenden Aspekte miteinander vergleichen kannst. Nutze gerne die Liste als Grundlage und ergänze sie, wenn dir noch weitere Aspekte einfallen, die für dich wichtig sind.

Wichtig: Es ist ganz entscheidend, dass du dir beim Ausfüllen Gedanken machst und deinen persönlichen Life-EQ hundertprozentig ehrlich ausfüllst. Andernfalls belügst du dich selbst. 

Wenn du:

  • deinem/r Partner:in nicht offenbaren willst, dass dir die Zeit mit ihm/ihr weniger wichtig ist als ein gutes Gehalt, dann zeig ihm/ihr deinen EQ halt nicht.
  • ohne Rücksicht auf Verluste Karriere machen willst, dann belüg dich nicht, indem du bei „Team“ 80 % angibst.
  • eher bequem oder auch stinkend faul bist, dann steh dazu und bewerte „Herausforderung“ wahrheitsgemäß mit 0.
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Ein möglicher (ehrlich ausgefüllter) Life-EQ einer Person, der die Karriere über alles geht.

Denke wie gesagt daran, du machst deinen Life-EQ nur für dich. Niemand anderes muss ihn sehen, wenn du das nicht möchtest.

Anschließend schaust du wie gewohnt nach Jobs, die dich interessieren. Du kannst deinen Life-EQ natürlich schon dafür nutzen, die Suchfilter auf Stepstone, Indeed und Co. entsprechend anzupassen. So filterst du beispielsweise Angebote heraus, die zu weit weg sind.

Passende Stellenangebote gleichst du dann mit deinem Life-EQ ab.

  • Werden deine wichtigsten Punkte erfüllt?
  • Welches Stellenangebot erfüllt im direkten Vergleich mehr deiner wichtigen Aspekte?
  • Sind die nicht optimalen Dinge vertretbar?

Was ist das Ziel eines Life-EQs?

Ziel der Erstellung eines Life-EQs ist es, zu erkennen, welche Dinge dir wirklich wichtig sind und welche vielleicht nicht so sehr. Du glaubst gar nicht, wie viele Menschen beim Wort „Job“ als erstes an „Geld verdienen“ denken. Zusätzlich werden mit dem Wort häufig eher negative Dinge verbunden, wie „notwendig“, „langweilig“, „gemeiner Chef“, „früh aufstehen“ etc. Dabei muss das ja gar nicht so sein.

Ehrlich und richtig angewendet, kann dein Life-EQ dir dabei helfen, keine Fehlentscheidung bei der Jobwahl zu treffen. Vielleicht denkst du am Anfang, du willst natürlich (weil es ja ‚normal’ ist) viel Geld verdienen. Aber was, wenn das gar nicht stimmt?

Was, wenn du zum Beispiel total kreativ bist und das auf der Arbeit eigentlich gerne ausleben willst? Oder wenn du sehr viel Spaß am Kochen hast und das auch gut kannst, aber trotzdem einen Master in Maschinenbau abgeschlossen hast, weil deine Eltern es so wollten? Sollst du dann als Ingenieur arbeiten und deinen Job hassen oder könntest du dir auch vorstellen, für weniger Geld deiner Leidenschaft als Koch nachzugehen? Die Antwort steht in deinem Life-EQ unter anderem in den Aspekten „Gehalt“, „Inhalt der Arbeit“ und „persönliches Interesse“, sofern du ihn ehrlich ausgefüllt hast.

Einen weiteren positiven Nebeneffekt hat die Nutzung eines Life-EQs auch bei deiner Bewerbung. Weil du dich intensiv mit dir selbst beschäftigt hast, kannst du viel klarer kommunizieren, was du denn eigentlich willst. Wenn du das so in deine Bewerbung schreibst, punktest du bei potenziellen Arbeitgebern. Meiner Ansicht nach zählt Authentizität am meisten in einer Bewerbung.

Du kannst dein durch den Life-EQ gewonnenes Selbstbewusstsein auch dafür nutzen, dich zusätzlich zu den normalen Bewerbungsunterlagen mit einem Vorstellungsvideo zu bewerben. Darin kannst du ganz klar deine Do’s und Don’t’s hervorheben und zum Beispiel erzählen, dass du genau der/die Richtige für den Job bist, weil du die gleichen Werte wie das Unternehmen auch privat vertrittst.

Fazit

Du merkst, du musst dich zunächst intensiv mit dir selbst beschäftigen, bevor du wissen kannst, was du wirklich willst. Dabei ist es entscheidend, dass du dir Zeit nimmst und dich nicht selbst belügst. Auch wenn dein Life-EQ moralisch scheinbar nicht einwandfreie Bewertungen hat – vielleicht 0 % bei „Zeit mit der Familie“ – oder es dir egal ist, ob du hinter dem Geschäftsmodell deines Arbeitgebers stehen kannst oder nicht, sei ehrlich!

Durch den Life-EQ beschäftigst du dich mit dir selbst. Das stärkt dein Selbstbewusstsein – und zwar im Wortsinn und im Sinn von Selbstvertrauen. Eine solche Sicherheit darüber, was du selbst willst und was nicht, wird in deiner Bewerbung sichtbar und macht sie authentisch. Nutze diese Möglichkeit deshalb, um zunächst die Spreu der Jobangebote vom Weizen zu trennen und dich anschließend auf eine überzeugende Art und Weise zu bewerben und vorzustellen.

Ich wünsche dir viel Erfolg!

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