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Applipixel Interview: Von Erziehungs-Wissenschaften in die Geldwäsche-Prävention

Ihr Traum war es, Brücken zu bauen – echte Brücken, keine sinnbildlichen. Doch es reichte eine Frage ihrer Mutter, um Romina zur Exmatrikulation zu bewegen. Neuer Studiengang wurden dann die Erziehungswissenschaften und heute arbeitet sie als Unternehmens­beraterin für Geldwäsche-Prävention.

Wie sie dazu gekommen ist, warum sie heute nur noch sinnbildliche Brücken baut und was sie anderen Geistes­wissen­schaftler:innen für Tipps mit auf den Weg geben möchte, all dies habe ich Romina gefragt. Die Antworten lest ihr in diesem Blogartikel auf www.applipixel.de, der Webseite für Bewerbungs­coaching und Skill-Analyse für motivierte Absolvent­:innen.

Romina im Interview

Steckbrief
Name: Romina Stuhrmann
Jahrgang: 1988
Wohnort: Kreis Recklinghausen
Studien­abschluss: Erziehungs­wissen­schaften, B.A.
Beruf: Unternehmens­beraterin

Rominas Studium

Hallo Romina,
schön, dass du deine Geschichte mit uns teilst. Du hast mir erzählt, dass dein beruflicher Werdegang keineswegs „straight forward“ war und dass dein Studium keinen direkten Bezug zu deiner heutigen Position hat. Daher möchte ich als erstes von dir wissen:

Was hast du studiert und welche Abschlüsse hast du?

Ich habe einen Bachelor-Abschluss in Erziehungswissenschaften der TU Dortmund. Meinen ersten Studiengang – Bauingenieurwesen – habe ich abgebrochen.

Warum hast du Bauingenieurwesen abgebrochen?

Mein Kindheitstraum war es, als Erwachsene mal Brücken zu bauen bzw. zu konstruieren. Ich war auch recht gut im Studium. Eines Tages jedoch hat mich meine Mutter gefragt, ob ich denn damit leben könne, wenn durch einen Rechenfehler meinerseits mal eine Brücke einstürzt. Da mir das Thema Tod persönlich nahe geht, nicht zuletzt, weil meine Mutter sehr krank war, entschloss ich mich gleich am nächsten Tag zur Exmatrikulation. Meinem Kindheitstraum trauere ich heute nicht mehr nach.

Traurige Sache, das tut mir leid. Warum hast du dich dann für Erziehungswissenschaften entschieden?

Ich interessiere mich sehr für Mensch und Gesellschaft. Mein Plan war, durch die Erziehungswissenschaften später einen positiven Impact auf Gesellschaft und Politik ausüben zu können. Ich dachte mir, dass sich bestimmt ein guter Job finden lässt, die Jobaussichten laut Google scheinen endlos. Ganz konkret konnte ich mir zum Beispiel vorstellen, später im Personalwesen zu arbeiten und Menschen zu motivieren, ihr Bestes in sich zu entfachen. Das Thema Kindererziehung habe ich im Studium weitestgehend umschifft. Nebenbei habe ich mich auch politisch engagiert und auch einige Kurse im Bereich BWL belegt, um mich selbst möglichst breit aufzustellen.

Rominas Jobsuche

Sehr spannend. Und nach dem Studium hast du dann direkt einen Job gefunden?

Nicht ganz. Ich wollte mich zunächst noch breiter aufstellen und habe einen Master in Corporate Management begonnen. Zwar fehlten mir teilweise die BWL-Grundlagen, ich bin aber ganz gut durchgekommen. Währenddessen habe ich als Sachbearbeiterin in einer Bank gearbeitet. Mit der Masterarbeit habe ich mich dann aber aufgrund diverser ungünstiger Umstände schwer getan und deshalb das Studium nicht abgeschlossen.

Wie ging es dann weiter? Bist du bei der Bank geblieben?

Leider konnte die Bank mich in meiner Position nicht übernehmen. Ich habe mich dann bei anderen Banken und bei Unternehmensberatungen beworben und leider nur Absagen bekommen. Es war wirklich unmöglich, mit meinem Abschluss etwas zu finden. Doch dann hatte ich Glück: Die Allianz Versicherung hat mich über Xing kontaktiert und mich für ihr Ausbildungsprogramm für Quereinsteigende geworben. Das Programm richtet sich speziell an Geisteswissenschaftler:innen. Nach der zweijährigen Ausbildung habe ich einen IHK-Abschluss als Versicherungsfachfrau und Finanzanlagenfachfrau erlangt.

Aber heute arbeitest du woanders. Wie bist du dahin gekommen?

Genau. Versicherungen verkaufen hat zwar Spaß gemacht – besonders erfolgreich war ich durch mein Studium bei Familien – aber ich wollte das nicht bis zur Rente machen und habe mich deshalb weiter beworben. Glücklicherweise wurde ich später dann einmal mehr abgeworben, diesmal von einem Beratungsdienstleister aus dem Finanzbereich. Meine Berufserfahrung in der Bank und als Versicherungsmaklerin waren die ausschlaggebenden Punkte, die mich für das Unternehmen interessant gemacht haben.


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Rominas aktueller Job

Was machst du denn genau in deinem aktuellen Job?

Ich bin Consultant bzw. Unternehmensberaterin für das Thema Geldwäsche-Prävention. Die Firma berät Banken und Finanzinstitute, führt Prüfungen durch und unterstützt dabei, Geldwäsche-Verdachtsfälle zu erkennen.

Meine Aufgaben dort umfassen Beratungstätigkeiten, Schulungen, Qualitätssicherung, die Analyse von Sachverhalten mit entsprechender Handlungsempfehlung und auch Rechtsprüfungen. Zusätzlich bilde ich mich selbst laufend weiter. Tatsächlich habe ich auch noch ein Jurastudium nebenher angefangen *lacht*.

Rominas Skills und Kompetenzen

Welche sind die wichtigsten Kompetenzen, die man in deinem Beruf braucht, und welche Skills helfen dir, vielleicht in bestimmten Bereichen besser zu sein als andere, die etwas anderes studiert haben?

Ich würde sagen, dass ich durch mein Studium definitiv einige Vorteile beispielsweise gegenüber BWLern habe. Vor allem meine ausgeprägten Soft Skills wie Empathie, kritisches Denken, Anpassungs- und Vermittlungsfähigkeit habe ich den Erziehungswissenschaften zu verdanken.

Weitere Fähigkeiten, die man auch in einem Studium der Geisteswissenschaften erlernt bzw. ausbaut, sind Analysefähigkeit, Ausdrucksvermögen, sauberes wissenschaftliches Arbeiten, effektiver Wissenserwerb und Flexibilität. Alle diese Dinge sorgen dafür, dass man sich in neue Themen wunderbar einarbeiten kann. Außerdem habe ich Managementfähigkeiten und ein Gespür für Zukunftsperspektiven und die Menschen, die ich dafür motivieren muss.

Rominas Erfahrungen und Tipps

Man wird ja als Geisteswissenschaftler:in gerne gefragt, was man später damit mache möchte. Wurdest du wegen deines Studiums von Verwandten/Bekannten/Freunden belächelt oder musstest du dir Fragen/Vorwürfe gefallen lassen?

Zum Glück stand meine Familie hinter mir. Einzige Prämisse miner Eltern war, dass ich bis 30 auf eigenen Beinen stehen sollte – egal wie. Und das habe ich ja geschafft.

Das einzige, was ich erwähnen kann, sind teilweise die Kommentare einiger anderer Studierender während meines Master-Studiengangs in Corporate Management. Einige fanden es unfair, dass ich mit einem vermeintlich viel leichteren Bachelor-Abschluss trotzdem diesen Master machen kann. Dafür musste ich mir ja, wie schon erwähnt, einige BWL-Grundlagen selbst aneignen. Unfair war das dementsprechend eigentlich nicht.

Wenn du gut in etwas bist, findest du eine Möglichkeit, oder die Möglichkeit findet dich.

Romina

Welchen Tipp gibst du Menschen, die auch Geisteswissenschaften studieren (möchten), aber noch nicht wissen, was sie beruflich mit ihrem Studium anfangen können?

Studiert einfach das, woran ihr Interesse oder wofür ihr eine Leidenschaft habt. Wenn du gut in etwas bist, findest du eine Möglichkeit, oder die Möglichkeit findet dich. Während des Studiums solltet ihr auch links und rechts gucken, was es noch so gibt und euch nicht mit zu spezifischen Aspekten des Studiums beschäftigen. Ihr findet immer etwas, das euch Spaß macht.

Außerdem würde ich unbedingt empfehlen, euch ein Xing- oder Linkedin-Profil anzulegen und es aussagekräftig zu gestalten und vernünftig zu pflegen. Dadurch taucht man bei Recruitern und Recruiterinnen auf und mit etwas Glück werdet ihr sogar angeschrieben.

Das Wichtigste ist, überhaupt einen Studienabschluss zu haben. Ohne geht in Deutschland leider gar nichts.

Sehr hilfreiches und spannendes Interview. Vielen Dank, liebe Romina.

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